Dass ich mich beruflich für das Genre der Fantasy entschieden habe, hängt zu hundert Prozent von meinen privaten Präferenzen ab. Meine Liebe zur Fantasy beginnt früh:
Ich erinnere mich daran, wie mein Vater mir als kleines Kind Geschichten vor dem Schlafengehen vorgelesen hat, und daran, wie meine Mutter mir ihre eigenen Lieblingsbücher nahegebracht hat („Der Herr der Ringe“ lässt grüßen). Ich erinnere mich an ein Kinderzimmer voller Bücher und lange Gespräche über Geschichten. Ich erinnere mich daran, wie ich Mamas Bücherregal nach spannenden Covern abgesucht habe.
Aber warum hat sich gerade die Fantasy bis in mein Erwachsenenleben eingeprägt?
Es liegt nicht daran, dass ich einfach keine anderen Genres ausprobiert habe. Ich habe Komparatistik studiert und dabei nicht nur „Klassiker“, sondern auch kontemporäre Literatur aus den unterschiedlichsten Genres kennengelernt und analysiert. Trotzdem lande ich nach wie vor bei der Fantasy.
Ich habe schon oft und lange über die Frage nachgedacht, und ich komme immer wieder bei zwei Antworten an: Freiheit und Faszination. Die Fantasy bietet die einzigartige Möglichkeit, alle Regeln der wirklichen Welt zu ignorieren und die Realität vollkommen neu zu schreiben. Die Fantasy ist der Gipfel der Freiheit, die jedes Schreiben bietet.
Gleichzeitig zieht mich jedes noch so kleine fantastische Element stärker in Geschichten hinein als andere literarische Aufhänger. Nach meinem Geschmack sind Fantasy-Geschichten einfach faszinierender als andere Genres: Was macht es mit Leuten, wenn ein Drache im Nachbarort haust? Welche Auswirkungen haben realitätsbeugende Fähigkeiten auf eine Gesellschaft? Wie schützen Menschen sich vor Feen? Das sind alles Fragen, auf die ich eine Antwort brauche!
Und warum habe ich die Fantasy auch zu meinem beruflichen Schwerpunkt genommen? Die Begründung bleibt die gleiche. Ich habe schon in anderen Genres gearbeitet, habe beispielsweise kontemporäre Literatur lektoriert, aber auch bei der Arbeit fehlt mir das gewisse Etwas, das die Fantasy spannend für mich macht.
